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Carmen_

Theater Hagen: Voila, une ‘Carmen’! Bizets Oper in Hagen gefeiert

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Opernmagazin

Als Glücksfall für Hagen erweist sich Anthony Pilavachi, denn gerade so eine wichtige Premiere einer der beliebtesten Opern, sollte eine feste Bank für das Theater, die Zuschauer und die Abonnenten sein. Pilavachi gehört eben nicht zu den Regisseuren, die meinen, das Rad neu erfinden zu müssen oder sich durch Skandale profilieren wollen, dennoch inszeniert er eine ganz zeitgenössische, moderne ‘Carmen’, die das Werk als blutvolles Theater genau auf den Punkt bringt. Peer Palmowskis karges Bühnenbild zeigt genau die Folie für das Spiel zwischen Mann und Frau. Mag der Beginn des ersten Aktes noch etwas hölzern ablaufen, steigert sich die Aufführung über eine exakte Personenf_hrung und genaue Charakterisierung zu einem packenden Drama, mit einem einfachen und auch brutalem Schluss.

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Carmen ist hier eine junge, attraktive Frau, die sich aus einem bettelnden und stehlendem Straßenkind entwickelt hat. Kristine Larissa Funkhauser bringt mit moderner Kurzhaarfrisur schon Modelqualitäten auf die Bretter, weiß sich unaufgesetzt und erotisch zu bewegen, ihr Mezzo fängt mit s_ffigem Wohllaut die Leichtigkeit der Habanera ein und reizt auch nötigerweise mal einen herben Ton zur Rollengestaltung aus. Carmen nutzt ihre Attraktivität rein als Machtmittel innerhalb der Männergesellschaft, so läßt sie im Zigeunerlied des zweiten Aktes die Männer ganz nach ihrer Pfeife tanzen. An Don Jos_ reizt sie seine Spr_digkeit und später seinen Nutzen, Escamillo scheint eine echte Liebe ihrerseits zu sein. Charles Reid nimmt man den fatalistischen, etwas unreifen Jos_ ebenfalls ab, zwar schafft er die hohen Klippen seiner vokalen Partie recht gut, schöne leuchtende Aufschwünge, eine geschmackvolle Gestaltung, doch immer wieder kommt er an gesangliche Grenzen seines Stimmsitzes, was freilich gerade im letzten Bild seine zerr_ttete Erscheinung unterstreicht, selten habe ich die finale Auseinandersetzung so glaubhaft und spannend erlebt. Jaclyn Bermudez singt eine energische Micaela, die zu Beginn sehr s__stimmig daherkommt, im Laufe des Abends zu einer leidenschaftlich Liebenden wird. Viele Escamillos haben entweder einen guten Basssitz in der Stimme oder die n_tig strahlende Höhe; Frank Dolphin Wong weiß beides zu einem überzeugenden Rollen- und Gesangsportrait zu verbinden.

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Carmen - Menschenschmuggel, drei Tote und wenig Spanien in Hagen

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omm.de

Frank Dolphin Wong, der lange zum festen Hagener Ensemble gehörte, verkörperte als Escamillo seine Macho-Rolle sehr überzeugend, mit sicherem Auftreten und kernigem, ausdrucksstarkem Bariton.Kein Wunder, dass die Frauen ihm nachrennen. Auch Zuniga (Rainer Zaun) sang und spielte seine Rolle als Vorgesetzter und Nebenbuhler überzeugend. Eine der Abend-Palmen gehörte der Mica_la von Jaclyn Bermudez; ihr zartes anrührendes Spiel und ihre Wandlung zur leidenschaftlichen Liebe überzeugten auch stimmlich. Nicht nur etwas für das Auge war die Truppe der Schmuggler und Zigeunermädchen. Die Damen (Maria Klier und Marilyn Bennett), abenteuerlich skurril gekleidet, dauer-bekifft und reichlich dem Alkohol zugetan, waren eine originelle Nummer für sich; Richard van Gemert und Jeffery Krueger sowie Raymond Ayers als Sergeant Moral’s f_gten sich nahtlos in das harmonische Team ein. Die zweite Palme geb_hrt dem GMD Florian Ludwig und seinem Philharmonischen Orchester Hagen, welches dem vollbesetzten Haus nahezu einen Spanien-Rausch bescherte, ganz im Gegensatz zur n_chternen Bühne. Ludwig pr_sentierte lebendige Dynamik, punktgenaue Eins_tze, ein farbiges Bläserspiel, und eine hervorragende Synchronisation mit der Bühne und dem bestens aufgelegten Opernchor und Extrachor (Einstudierung Wolfgang Müller-Salow). Das ausverkaufte Haus feierte die Aufführung mit langem jubelnden und stehenden Applaus.